Holunderblütenlikör ist für mich ein Stück Sommer in der Flasche: der Duft von sonnengereiften Dolden, blumige Noten und eine feine Süße, die an Großmutters Garten erinnert. Ich bereite ihn regelmäßig zu — ganz ohne Destilliergerät, nur mit hochwertigen Zutaten, Geduld und ein paar einfachen Küchenutensilien. In diesem Beitrag zeige ich dir mein bewährtes Rezept, gebe Tipps zur Ernte und Haltbarkeit und verrate drei einfache Cocktails, in denen der Likör besonders gut zur Geltung kommt.

Welche Holunderblüten eignen sich — und wann ernte ich sie?

Ich sammle Holunderblüten am liebsten an sonnigen, trockenen Morgen kurz nachdem der Tau verschwunden ist. Wichtig ist, nur frisch geöffnete, duftende Dolden zu verwenden — keine braunen oder beschädigten Blüten. Achte darauf, nicht direkt an Straßen oder stark befahrenen Wegen zu ernten, da dort Schadstoffe landen können.

Ich ziehe es vor, Dolden leicht über einen Teller zu klopfen, damit Insekten herausfallen, und schneide die dickeren Stiele ab. Nur die kleinen Einzelblüten kommen in den Ansatz — die groben Stiele enthalten oft Bitterstoffe.

Zutaten und Mengen

Die folgenden Mengen ergeben etwa 1–1,2 Liter fertigen Likör (abhängig vom Verdünnen mit Sirup und Abfüllverlust):

ZutatMenge
Frische Holunderblüten (ohne grobe Stiele)ca. 20–25 Dolden (ca. 40–50 g)
Neutralalkohol (Wodka, Korn oder ein neutraler Kornbrand)500 ml (38–40 % vol)
Wasser300–400 ml
Weißer Zucker300–350 g (je nach gewünschter Süße)
Optional: Zitronenschale oder Zitronensäure1 ungespritzte Zitrone (nur Schale) oder 1–2 g Zitronensäure

Warum ohne Destilliergerät?

Viele traditionelle Rezepte für Holunder- oder Kräuterliköre basieren auf der Mazeration von Botanicals in Alkohol, nicht auf Destillation. Das ist perfekt, wenn du zu Hause ohne Brennapparat arbeiten möchtest: du benötigst lediglich einen neutralen Spiritus (z. B. Wodka) oder Korn aus dem Handel. Das Ergebnis ist aromatisch, sicher und legal.

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  • Vorbereiten: Sterilisiere ein großes Glas mit Schraubdeckel (1–1,5 Liter). Ich benutze dafür heißes Wasser oder spüle es mit kochendem Wasser aus.
  • Blüten vorbereiten: Zupfe die Blüten von den groben Stielen und prüfe auf kleine Insekten. Nicht waschen — Wasser wäscht oft Aromen weg; falls die Blüten stark verschmutzt sind, kann ein kurzes Schütteln in sauberem Wasser helfen, aber dann gut trocknen lassen.
  • Mazeration: Gib die Holunderblüten in das Glas, füge die Zitronenschale (optional) hinzu und gieße den Alkohol darüber, bis alles bedeckt ist. Verschließe das Glas luftdicht.
  • Ziehzeit: Stelle das Glas an einen dunklen, nicht zu warmen Ort. Ich lasse die Mischung 10–14 Tage ziehen und schüttle das Glas alle 1–2 Tage sanft. Probiere nach 7 Tagen mal, ob das Aroma schon ausreichend ist — zu lange kann zwar intensiver machen, aber auch unerwünschte Bitterstoffe extrahieren.
  • Süßen: Nach der Mazeration seihe ich den Alkohol durch ein feinmaschiges Sieb und einen Kaffeefilter, um die Blütenreste zu entfernen. Dann koche ich ein Sirup: Zucker mit Wasser auf 1:0,6–1:0,7 (je nach gewünschter Süße) auflösen und kurz köcheln lassen, bis der Zucker komplett gelöst ist. Abkühlen lassen.
  • Mischen: Den abgekühlten Sirup langsam zum aromatisierten Alkohol geben und abschmecken. Hier bestimmst du die Süße. Wenn du eine klarere Farbe möchtest, kannst du zusätzlich durch ein Baumwolltuch filtrieren.
  • Abfüllen: Den fertigen Likör in saubere Flaschen abfüllen und einige Wochen ruhen lassen — die Aromen verbinden sich noch besser.

Praktische Tipps

  • Wenn du einen intensiveren Geschmack willst, nimm statt 38 % vol Alkohol einen etwas stärkeren (z. B. 45 %), dann mit Sirup anpassen.
  • Ich verwende gerne Bio-Zutaten: ungespritzte Zitrone und Bio-Zucker oder Rohrohrzucker für eine karamellige Note.
  • Alternativ zum Sirup kannst du Honig verwenden — das gibt einen eigenen Charakter, aber erschwert die Haltbarkeit etwas.
  • Beschrifte Flaschen mit Datum — so weißt du, wann der Likör hergestellt wurde. Mindestens 6–12 Monate Haltbarkeit bei kühler Lagerung.

Drei einfache Cocktails mit Holunderblütenlikör

Holunderblütenlikör ist sehr vielseitig: florale Süße passt zu prickelnden, fruchtigen oder kräuterigen Kompositionen. Hier meine drei Lieblingsdrinks, die schnell gemacht sind und Gäste beeindrucken.

Holunder-Spritz (einfach & erfrischend)

  • 50 ml Holunderblütenlikör
  • 100–120 ml Prosecco oder trockener Sekt
  • Soda nach Belieben
  • Eiswürfel, Zitronenzeste und Minzzweig zur Garnitur

Zubereitung: In ein Glas mit Eis zuerst den Likör geben, dann Prosecco vorsichtig hinzufügen und mit einem Schuss Soda toppen. Mit Zitronenzeste und Minze garnieren. Mein Tipp: Für ein besonders aromatisches Ergebnis ein Glas gut kühlen.

Holunder Collins (zitronig & spritzig)

  • 45 ml Holunderblütenlikör
  • 30 ml frischer Zitronensaft
  • 15–20 ml einfacher Sirup (oder weniger, je nach Süße des Likörs)
  • Soda zum Auffüllen
  • Eiswürfel und Zitronenscheibe

Zubereitung: Likör, Zitronensaft und Sirup in ein mit Eis gefülltes Longdrinkglas geben, kurz umrühren und mit Soda auffüllen. Frisch und perfekt für laue Sommerabende.

Holunder Fizz mit Gin (blumig & aromatisch)

  • 40 ml Gin (ein floraler Gin passt gut, z. B. Hendrick’s oder ein regionaler Kräutergin)
  • 20 ml Holunderblütenlikör
  • 15 ml Limettensaft
  • Eiweiß (optional, für Schaum) oder Soda
  • Eis und etwas Muskatnuss oder Zitronenzeste

Zubereitung: Gin, Holunderlikör, Limettensaft und Eiweiß (falls verwendet) ohne Eis kräftig shakern (Dry Shake), dann Eis hinzufügen und erneut schütteln. In ein Glas doppelt abseihen. Ohne Eiweiß einfach mit Soda auffüllen. Ich reibe gerne eine kleine Muskatnuss über den Schaum — das gibt einen überraschenden, warmen Kontrast.

Variationen und Geschenkidee

Holunderblütenlikör lässt sich wunderbar aromatisieren: ein Stück Vanilleschote, ein paar Pfefferkörner oder Rosmarin im Ansatz verändern das Profil spannend. Kleine Fläschchen mit persönlichem Etikett eignen sich hervorragend als Mitbringsel; ich versehe meine Flaschen oft mit Serviervorschlägen auf dem Anhänger.

Wenn du magst, kann ich dir auch eine Variante ohne Alkohol zeigen (Holunderblüten-Sirup) oder eine detaillierte Schritt-für-Schritt-Fotokurzanleitung für deinen Blog. Schreib mir einfach, welche Variante dich interessiert — ich antworte gern mit Rezept und Bildern.